Wer sich über das Leistungsspektrum von Geldinstituten informiert, stößt immer wieder auch auf den Begriff Private Banking.
Gemeint ist damit in der Regel die individuelle Betreuung besonders finanzstarker Kunden. Was aber ist Private Banking genau? Welche Chancen und Risiken ergeben sich daraus? Und wer kann diese Leistungen in Anspruch nehmen?
Private Banking – was ist das?
Private Banking stellt – grob umrissen – einen Gegenentwurf zum alltäglichen Massengeschäft der Banken dar. Der englische Begriff ist Synonym und Oberbegriff für eine private, individuelle Betreuung von finanzstarken Kunden, eine genaue Definition gibt es jedoch nicht.
Das liegt u.a. auch daran, dass sich der Geschäftszweig Private Banking nicht trennscharf von anderen Leistungen abgrenzen lässt. Anders ausgedrückt ließe sich auch sagen, dass Private Banking eine Vielzahl an ineinander greifenden Maßnahmen umfasst, die dem Erhalt und der Vermehrung von Vermögen dienen.
In engerem Sinne kann man im Private Banking zwischen Vermögensberatung und Vermögensverwaltung unterscheiden. Während bei der Vermögensberatung der Fokus auf der anlassbezogenen oder systematischen Beratung liegt, beschäftigt sich die Vermögensverwaltung (auch: Asset Management) mit dem aktiven Management von Vermögen. Vermögensverwalter erhalten von ihren Kunden praktisch eine Vollmacht im Rahmen eines Generalvertrages, mit der sie die erforderlichen Schritte zur Vermögenspflege einleiten können.
Zur Wahl stehen dabei maßgeschneiderte Lösungen, die die individuellen Vorstellungen der Klienten in hohem Maße berücksichtigen. Da diese Aufgaben sehr viel Erfahrung und Vertrauen vonseiten des Kunden erfordern, sind Vermögensverwalter in der Regel sehr erfahrene Banker, die im Gegensatz zu ihren Kollegen am Schalter deutlich weniger Kunden betreuen. Zudem verfügen sie im Gegensatz zu Vermögensberatern über eine Erlaubnis der BaFin.
Darüber hinaus werden heute jedoch auch andere Leistungen zum Private Banking gezählt, die Spezialwissen erfordern. So finden sich im Leistungsportfolio vieler Anbieter u.a. auch Erbschafts- und Stiftungsmanagement, Angebote zu Finanzierungen und Vorsorge, Immobilienmanagement oder sogar Art Management. Besonders große Vermögen werden in sogenannten Family Offices verwaltet.
An wen richtet sich Private Banking?
Private Banking Angebote richten sich in der Regel an vermögende Kunden, die Eintrittsbarrieren sind oftmals hoch. Aber in der Branche hat nicht zuletzt infolge der Finanzkrise ein Umdenken begonnen. Musste Interessenten auf der Suche nach einem Vermögensmanager noch vor Kurzem mindestens 500.000 Euro Kapital zur Verfügung stehen, weisen Berater mittlerweile auch „kleine Fische“ mit Vermögen ab 100.000 Euro auf die Möglichkeiten des Private Bankings hin.
Wie hoch das erforderliche Mindestkapital sein muss, um Zutritt zum exklusiven Private Banking Club zu erhalten, ist nicht verbindlich geregelt und unterscheidet sich je nach Anbieter. Zur Orientierung gilt: Ab einem flüssigen Vermögen von 1 Mio. Dollar spricht man global von High Net Worth Individuals, ab einem Vermögen von 20 Mio. Dollar von Ultra High Net Worth Individuals.
Kosten beim Private Banking
Bankkunden in Deutschland sind es gewohnt, bei ihrer Hausbank eine kostenlose Beratung im Hinblick auf Geldanlage, Finanzierungen und Vorsorge zu erhalten. Banken und Sparkassen erbringen diese Beratungsleistung kostenlos in der Absicht, ihre Aufwendungen mit Folgegeschäften zu kompensieren.
Beim private Banking liegen die Dinge ein wenig anders: Hier wendet ein Stammberater viel Zeit für die Optimierung von oftmals umfangreichen und komplexen Kundenvermögen auf. Diese Leistung lassen sich die Anbieter von Private Banking gut bezahlen. Leider mangelt es in dieser Hinsicht jedoch an Transparenz.
Und so kann es durchaus vorkommen, dass Kunden zum einen hohe regelmäßige Verwaltungsgebühren entrichten, zum anderen aber auch indirekt durch Provisionen an die Vermögensverwalter zur Kasse gebeten werden. Deutlich transparenter wirkt da die Honorarberatung, die in Deutschland allerdings noch nicht allzu weit verbreitet ist.
Aber auch wohlhabende Kunden sind preissensitiver geworden, die Banken sehen sich gezwungen, ihre Private Banking Geschäftsmodelle zu überarbeiten. Konkret bedeutet das: Mehr Transparenz, mehr Kommunikation und Kostenoptimierung sollen den Anbietern von Private Banking die Kundentreue auch zukünftig sichern.
Anbieter von Private Banking
Private Banking ist seit Jahrhunderten die Domäne von deutschen und ausländischen Privatbanken wie dem Bankhaus Gebr. Martin, Donner & Reuschel, Trinkaus & Burkhardt, der quirin bank, Julius Bär, Sarasin & Cie, der Banque Privée Edmond de Rothschild, dem Bankhaus Carl Spängler oder der Meinl Bank.
Darüber hinaus engagieren sich aber auch deutsche Großbanken wie die Deutsche Bank, die HypoVereinsbank und die Commerzbank in diesem exklusiven Segment. Seit relativ kurzer Zeit bieten auch Sparkassen und Genossenschaftsbanken Private Banking Dienstleistungen an.
Wer auf der Suche nach einem guten Vermögensverwalter ist, sollte sich nicht ausschließlich auf den Rat seiner Hausbank verlassen. Objektive Informationen bieten zum einen die Vermögensverwalter-Verbände Deutschlands und Österreichs. Zum anderen hilft aber auch die unabhängige Plattform My Private Banking dabei, anhand von Studien, Kundenbewertungen und Analysten-Urteilen passende Vermögensverwalter in Deutschland, Österreich, der Schweiz und weiteren Ländern zu finden.
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